Landschaftsfotografie



Landschaftsaufnahmen enttäuschen häufig, weil versucht wurde, große Dimensionen in ein Format zu pressen, das nur einen kleinen Ausschnitt der erlebten Landschaft zeigen kann. Da wir nur zweidimensional fotografieren können, fehlt unseren Aufnahmen oft die Tiefe, das Hineingehen in die Landschaft und damit die dritte Dimension. Ebenfalls nicht wiedergeben können wir die angetroffene Stimmung: die Ruhe, das Meeresrauschen, die frische Bergluft, das Vogelgezwitscher, die brütende Hitze.

Landschaften bieten vorwiegend Blau- und Grüntöne bis zu Gelb und Braun. Übersichtsaufnahmen machen daher oft einen monotonen Eindruck, die Details gehen farblich ohne Akzente ineinander über. Um Landschaften wirkungsvoll darzustellen, gibt es jedoch einige einfache Mittel: Wir bilden möglichst große Flächen ab und verzichten auf eine Fülle von Einzelheiten. Um einen Eindruck von der tatsächlichen Weite und Dimension zu vermitteln, liefern wir Größenvergleiche. Am glaubwürdigsten ist dazu der Mensch selbst.

Größenvergleich
Die Person im Vordergrund liefert einen perfekten Größenvergleich, außerdem entsteht dadurch eine gewisse Raumwirkung.

Die Raumwirkung

Tiefe können wir durch sorgfältig dosierte Schärfe darstellen, beispielsweise den Vordergrund unscharf halten und den Blick ins Bild hineinführen. Oder wir variieren den Blickwinkel. Aus der Froschperspektive sieht die Welt oft wesentlich attraktiver aus als in gewohnter Augenhöhe.

Eine weitere Gestaltungsmöglichkeit liegt in der Wahl des Objektivs. Das Normalobjektiv gibt die Welt im gleichen Bildwinkel wieder, in dem wir sie sehen, alles richtig und gewohnt, meist nicht besonders eindrucksvoll. Ein leichtes Teleobjektiv dagegen konzentriert, holt Berge näher heran. Dabei verdichten sich auch Dunst und UV-Strahlen. Das entsprechende Filter und leichte Unterbelichtung sorgen dafür, daß nicht alles getrübt erscheint.

Die Möglichkeiten, Tiefe im Bild darzustellen, sind damit noch nicht erschöpft. Mit einem Weitwinkelobjektiv können wir die Landschaft von uns wegschieben, den Vordergrund vergrößern. Räumliche Tiefe läßt sich auch durch Farben darstellen: Rot, Orange, Gelb kommen auf uns zu, Grün ist einigermaßen neutral, Blau strebt in den Hintergrund. Die genannten Farben in entsprechend großen Anteilen im Foto richtig plazieren - wer diese Kunst beherrscht, beweist fotografisches Können.

Auch die Perspektive können wir nutzen. Kleinere Gebäude, Bäume, Masten empfinden wir weiter entfernt als entsprechend größere. Genau so zeigen Überlappungen, welcher Gegenstand im Vordergrund, welcher weiter hinten plaziert ist. Bleibt schließlich noch die Luftperspektive. Je heller ein Berg erscheint, desto weiter entfernt ist er, diese Aufhellung bewirkt der Dunst zwischen entfernteren Objekten und der Kamera. Bei Fernsichten erscheinen die näheren Berggipfel schärfer und dunkler, auch weniger verblaut, die entfernteren verschwommener und heller. Es ergeben sich Tonwertabstufungen in die Tiefe des Bildes.

Plastizität und damit ebenfalls Tiefe liefert auch die Einfallsrichtung des Lichtes. Kommt das Licht aus einer Richtung direkt hinter der Kamera, dann ist die Beleuchtung flach, seitliches Licht dagegen wirft Schatten und schafft Räumlichkeit.

Geradezu unentbehrliches Zubehör des Landschaftsfotografen ist das Polarisationsfilter. Mit ihm kann er störenden Dunst wegfiltern, Kontrast und Tiefe gewinnen. Am besten ist die Wirkung des Polfilters bei seitlich einfallendem Licht und möglichst langen Brennweiten.

Vergessen wir über der Großartigkeit einer Landschaft nicht die Details: Ein Bauernhaus, eine blühende Wiese, eine Baumgruppe. Und schließlich die einzelne Blüte, ein Grashalm, ein Blatt - fotografiert als Makroaufnahme.

Das Geheimnis gekonnter Landschaftsfotos liegt in der Beschränkung auf wenige Bildelemente, in ihrer Anordnung auf der Bildfläche, in der überlegten Bildgestaltung. Oft bestimmt schon die Formatwahl, die Lage des Horizonts den Bildeindruck. Bei Landschaftsfotos zeigt sich, ob der Fotograf sehen kann, die Besonderheiten der Fotografie berücksichtig und das Charakteristische einer Landschaft ausdrückt.

Landschaftsfotos sind keine Schnappschüsse

Nur mit Überlegung und Geduld entstehen beeindruckende Aufnahmen. Man muß sein Motiv erkunden. Ein Landschaftsfoto ist immer nur ein Ausschnitt aus einem größeren Motiv, Panoramaaufnahmen ausgenommen. Auf der Bildfläche des Fotos sollten alle Informationen untergebracht werden, die das Wesentliche der Landschaft wiedergeben. Das heißt allerdings nicht, daß du deine Aufnahme mit Details überfüllen sollst. Zunächst solltest du dir über die Bildaussage im klaren sein und ein oder zwei markante, im Bild dominierende Elemente finden, die diese Bildaussage liefern.
Der Standort des Fotografen beeinflußt wesentlich die Bildgestaltung, mit ihm bestimmt er die perspektivische Wirkung. Gib dich daher nicht gleich mit der ersten Lösung zufrieden, sondern probiere vor der Aufnahme so lange, bis du den besten Standort gefunden hast. Willst du den Eindruck von Tiefe, von Entfernung darstellen, dann sollte das Auge des Bildbetrachters durch ein Vordergrunddetail ins Bild, in den Raum geführt werden. Ein Baum, ein Felsen im Vordergrund, ein Durchblick gibt deinem Foto diese dritte Dimension. Sehr wirkungsvoll ist im Vordergrund dunkles Rahmenwerk, das zum helleren Hintergrund kontrastiert. Doch nicht jede Landschaft eignet sich zum Einrahmen. Willst du die Weiträumigkeit in der Breite zeigen, dann ist eine solche Bildbegrenzung unvorteilhaft. Prüfe, ob das Verhältnis Vorder-, Mittel- und Hintergrund ausgewogen ist und deiner fotografischen Absicht entspricht. Zuviel Himmel kann ein Bild langweilig machen, es sei denn, du willst Trostlosigkeit und endlose Weite darstellen.

Endlose Weite und Trotlosigkeit
Die Froschperspektive, das Fehlen eines Vordergrundobjektes und ein Bildausschnitt mit wenig Bildelementen verstärken hier die Wirkung der endlosen Weite.

Eine wichtige gestalterische Entscheidung triffst du schon bei der Wahl der Formates - Quer- oder Hochformat. Landschaftsfotos im Hochformat sind zwar seltener, wirken aber dynamischer.

Das Problem der Landschaftsfotos liegt vor allem darin, daß unser Auge mehr und anders sieht als die Kamera. Jedes Foto ist nur ein Ausschnitt aus der Realität - je themengerechter und sorgfältiger dieser Ausschnitt gewählt wird, um so aussagekräftiger wird das Foto. Der Bildausschnitt sollte typische Merkmale zeigen oder die Atmosphäre einer Landschaft vermitteln.

Manche Fotografen bilden aus Daumen und Zeigefinger ein Rechteck und betrachten durch diesen Ausschnitt ihr Motiv. Andere verwenden ein Diarähmchen, das sie näher oder weiter entfernt von ihrem Auge halten: So können sie auch ohne Blick durch den Kamerasucher prüfen, wie der Bildausschnitt wirkt.

Die beste Tageszeit

Besonders eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen gelingen in den Morgen-, Nachmittags- und Abendstunden. Dann steht die Sonne tief am Horizont, das Licht ist weicher, es ergeben sich interessantere Schattenbildungen als um die Mittagszeit, wenn die Landschaft flach und konturenlos wirkt.

Nicht nur schönes Wetter eignet sich für die Landschaftsfotografie. Gerade plötzlicher Wetterumschwung liefert dramatische Aufnahmen: Wolkenbildungen, ungewöhnliche Lichtverhältnisse geben der Landschaft einen ungewohnten Charakter und schaffen eine besondere Stimmung.

Dämmerung im Winter
Die schwarzen Bäume heben sich kontrastreich vom Himmelsrot ab und erhöhen so die Wirkung des Bildes. Durch die Positionierung am Rand entsteht eine Tiefenwirkung

Das Dilemma vieler Landschaftsfotos liegt darin, daß zu vieles zu klein abgebildet wird. Leichte bis mittlere Teleobjektive haben daher in der Landschaftsfotografie durchaus ihre Berechtigung.

Ein leichtes Teleobjektiv von 70 bis 100 mm Brennweite holt Details näher heran, komprimiert den Bildausschnitt, verflacht allerdings auch etwas. Ein Weitwinkelobjektiv mit 28 mm oder 24 mm Brennweite erfaßt einen größeren Bildwinkel, verstärkt die Weite und räumliche Ausdehnung.

Weitwinkelaufnahmen ohne Vordergrund wirken oft langweilig. Beabsichtigst du diesen Effekt? Wenn nicht, dann beziehe Bildelemente im Vordergrund in deine Aufnahme mit ein. Die Tiefen ausdehnung einer Landschaft wird durch einen entsprechend gestalteten Vordergrund eindrucksvoller, auch wenn er unscharf abgebildet ist.

Landschaftsaufnahmen weisen meist große Helligkeitskontraste auf. Belichtest du ein Bildelement richtig, dann fällt ein anderes unter- oder überbelichtet aus. Der sicherste Weg zu einigermaßen exakt belichteten Landschaftsaufnahmen führt über die Belichtung nach einem Mittelwert. Messe zunächst den Himmel und anschließend die Landschaft. Ergibt sich für den Himmel beispielsweise Blende 16/125 Sekunde, für die Landschaft Blende 8/125 Sekunde, dann wirst du mit einer Belichtung Blende 11/125 Sekunde vermutlich richtig liegen. Oft wirkt ein leicht unterbelichteter Vordergrund interessanter. Eine Belichtungsreihe liefert dir eine Serie von verschieden belichteten Aufnahmen, aus der du die wirkungsvollsten auswählen kannst.

Fotografieren im Gebirge

Die Welt der Berge liefert eine ganz besondere Stimmung, die zum Fotografieren reizt; und Fotos überwältigender Ausblicke kann man auch aus größerer Entfernung machen. Der richtige Kamerastandpunkt entscheidet oft darüber, ob eine Aufnahme nur eine Anhäufung von Gipfeln zeigt oder ein imponierendes Bergfoto wird.

Eine wichtige Rolle spielen die Lichtverhältnisse: Am frühen Morgen oder am späten Nachmittag hebt der schräge Einfallswinkel des Lichtes die Konturen stärker hervor. Starkes Sonnenlicht ist für Bergfotos nicht immer erforderlich; auch bei bedecktem Himmel, wenn das Licht weicher wird, gelingen stimmungsvolle Aufnahmen.

Um die tatsächliche Größe und Wucht der Berge darzustellen, brauchst du Bildelemente, die einen Größenvergleich gestatten. Bergsteiger, die auf einem Gipfel stehen, Hütten am Fuße des Berges vermitteln einen Eindruck von den Dimensionen der Berge.

Wenn du mit einem Teleobjektiv fotografierst, geht zwar etwas Tiefenwirkung verloren, dafür wird aber der Eindruck der Größe verstärkt. Beziehe den Vordergrund mit ein, dann vermittelst du ein Gefühl für Raumtiefe, die Berge selbst wirken - vor allem beim Einsatz eines Weitwinkelobjektivs - weniger wuchtig. Besonders beliebte Postkartenmotive sind Berge, die sich in Bergseen spiegeln. Versuche ähnliche Aufnahmen, doch zeige eine persönlichere Motivauffassung als bei solchen Allerweltsfotos.

Wasserspieglungen
Die Wasserspieglungen sind hier nur ein schöner Nebeneffekt. Ohne den Baum im Vordergrund würde das Bild langweilig wirken.

Obwohl es sich um Landschaftsaufnahmen handelt, gehören ggf. Menschen mit ins Foto.

An Strand und Küste

Wie bei der Landschaftsfotografie allgemein, so ist es auch bei diesem Motivbereich nicht ganz einfach, Weite und Ausdehnung auf der kleinen Fläche des Fotos wirkungsvoll darzustellen. Ein Problem schafft die starke Lichtreflexion: Du solltest, um störendes Streulicht weitgehend auszuschalten, stets mit Gegenlichtblende fotografieren. Die Belichtung am hellsten Bildbereich messen. Willst du Personen vor dem Hintergrund des Meeres oder Strandes aufnehmen, dann richte die Belichtung nach den Personen, nehme also möglichst eine Nahmessung vor, sonst werden die Personen unterbelichtet. Den Dunst der brausenden Gischt oder des Wassers kann man durch ein UV-Filter mildern und so für brillantere Aufnahmen sorgen. Mit dem Polfilter läßt sich das Himmelsblau intensivieren und ebenfalls der Dunst vermindern. Der Einsatz dieses Filters beeinflußt auch die Reflexionswirkung des Wassers; je nach Stellung des Filters können Sie zwischen starken Reflexen und tintigem Tiefblau variieren. Willst du der Wasseroberfläche zusätzliche Effekte verleihen, dann setze ein Gitterfilter (Sternfilter) ein. Es spaltet die Lichtreflexe in sternförmige Strahlen auf.

Gitterfilter
Ein Sonnenuntergang am Meer, aufgenommen mit einem Gitterfilter.

Feuchtigkeit der Luft und Wasser ganz besonders Salzwasser — sind erbitterte Feinde deiner Kameraausrüstung. Schütze daher die wertvollen Stücke zumindest durch eine Plastiktüte, in die du Löcher für das Objektiv schneiden kannst. Die Vorderlinse des Objektivs bestücke mit einem UV- oder Skylight-Filter. Und wenn du nicht fotografierst, setze sofort den Deckel vors Objektiv.

Wenn du von einem Boot aus fotografieren willst, dann stütze dich bitte nicht an der Reeling ab. Bei starkem Wellengang sollte man fotografieren, wenn sich das Boot genau auf einer Welle befindet, dann steht es für Sekundenbruchteile relativ still.

Natürlich solltest du die Verwacklungsgefahr von vornherein einkalkulieren, stelle also möglichst 1/500 oder 1/250 Sekunde ein. Mit so kurzen Verschlußzeiten frieren die Spritzer der schäumenden Wellen ein, wodurch sich bei entsprechendem Gegen- oder Seitenlicht besondere Effekte ergeben.

Nicht nur das Meer selbst, auch Strand und Küste liefern interessante Motive. Dabei sind - wie fast immer in der Fotografie - Detailaufnahmen aussagekräftiger als Gesamtansichten.


Wasserspieglungen
Eine Fotografie am Strand mal anders - eine Kombination aus Froschperspektive und Gegenlichtaufnahme. Eine Wurzel im Vordergrund stellt den dunklen Gegenpol zur hellen Sonne da.

Teilt der Horizont eine Aufnahme genau in zwei gleich große Hälften, dann wirkt die Aufnahme langweilig. Das gleiche gilt, wenn sich ein Fischerboot auf dem Meer genau im Bildzentrum befindet. wird es nur ein Stückchen in die rechte Bildhälfte gerückt, wirkt die Aufnahme schon interessanter. Stürmische See, gegen Felsen schlagende Wellen, werden durch eine niedrige Aufnahmeposition »dramatisiert«.


Ausrüstung für die Landschaftsfotografie
Digitale Bildbearbeitung

Was steht bei einem verfremdeten Foto im Vordergrund? Der künstlerische Aspekt, der Versuch die Bildaussage zu verdeutlichen oder eine Kombination aus beidem? Wie auch immer, Verfremdungen mit dem Computer sind ein interessanter Bereich der Fotografie, welcher durch den Einsatz moderner Digitalkameras immer mehr Anhänger findet. Besonders in der Landschaftfotografie ist es schwierig Stimmungen, die während der Aufnahme vorhanden waren, zu vermitteln, denn ein Foto stellt nur einen kleinen Teil - einen winzigen Ausschnitt - der Landschaft um den Fotografen dar. Der zeitliche Aspekt fehlt ebenso wie Geräusche und andere nicht optisch Eindrücke. Verfremdungen können diese Eindrücke natürlich auch nicht vermitteln, aber sie können geziehlt bestimmte Bereiche des Bildes hervorheben und so die Bildintension verdeutlichen.


Sonnenuntergang im Yellowstone Nationalpark Ghost of Sunset - Sonnenuntergang im Yellowstone Nationalpark

Ein Sonnenuntergang zwischen Geysiren gehört vielleicht zu den interessantesten Momenten die man im Yellowstone Nationalpark (USA) erleben kann. Es ist kein ruhiges Untergehen der Sonne, es ist ein lebendiges Erlebnis - gespenstig und mehr als beeindruckend.

Weitere Beispiele findest du auf meinen cOnfusion-Seiten in der Rubrik [fOto & aRtwork]

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have fun :-)