Abenteuer Mallorca
eine fast wahre Geschichte in drei Akten.
1. Akt - wie alles begann
Es war soweit, das erste mal war nicht mehr fern; der erste Familienurlaub mit Kind und Kegel. Die Last Minute Pauschalreise nach Mallorca war im Internet gebucht und alle Vorbereitungen getroffen.
Tja, wen man nur wenige Kilometer vom größten deutschen Flughafen wegwohnt und man am frühen Morgen wegfliegt, dann nutzt man gerne die Möglichkeit schon am Vortag einzuchecken. So lassen sich Wartezeiten vermeiden denken wohl viele. Man hat auch viel Zeit nachzudenken, wenn man ewig mit Gleichdenkenden am Vorabend in der Warteschlange steht.
Viele interessante Ideen kommen einem da in den Sinn, z.b. wieso ist denn abends nur ein Schalter von vielen geöffnet, oder braucht man eigentlich zum Einchecken den neuen Kinderausweis des kleinen Schreihalses, der ständig neben einem quengelt, weil es stink langweilig ist. Einige haben sich vielleicht auch gefragt, ob das Bodenpersonal gerade einen Arbeitstempo-Wettstreit mit den Beamten der Stadtverwaltung haben, die für den Kinderausweis zuständig waren. Oh, der besagte Kinderausweis ... wo steckt der denn eigentlich? Ach ja, bei dem Kuvert mit den Peseten und dem Mietwagengutschein - zuhause auf dem Küchentisch. Mhm braucht man das Ding jetzt gleich oder nicht? Nein sicherlich nicht, wir müssen ja nicht durch den Zoll ... obwohl bei der letzten USA-Reise wollten die unsere Ausweise auch sehen *grübel*.
Vielleicht sollte ich mal den freundlich lächelnden Mann am geschlossenen leeren Nachbarschalter fragen, schließlich wollen wir uns ja nicht vordrängeln und unser zuständiges Bodenpersonal in seiner wahnwitzigen Arbeitgeschwindigkeit bremsen.
Wie!!! der Kinderausweis wird benötigt, weil man sonst nicht die Bordkarten erhält und Ausnahmen können aus Sicherheitsgründen nicht gemacht werden *gngngn* ... na ja ist ja nicht so schlimm, wir sind ja zuzweit und dem quengelnden Monster neben uns macht die Autofahrt bestimmt Spaß.
Da sagt man immer Pauschalreisen können verdummen. Quatsch! Wieder zurück am Flughafen lernt man dann, daß man in EG-Länder keine Ausweise für das Einchecken braucht, und daß der mittlerweile verschwundene lächelnde Mann am Nebenschalter sich geirrt hatte.
AARRG was'n nu los? Wieso ist hier so dunkel und so furchtbar laut? Oh, es ist früher Morgen und der Wecker klingelt. Es gibt Momente, da muß man sich zwingen dran zu denken wie schön der Urlaub sein wird.
Und Schwups im Nu ist man wieder am Flughafen. Vorbei an mehreren leeren und geöffneten Eincheck-Schaltern und den wenigen Leuten die dort noch schnell ihr Gepäck abgeben (Anfänger denke ich, sowas macht man doch in Ruhe am Abend zuvor).
Wir sind jetzt alle in Urlaubslaune. Na ja nicht alle, die Kleine, die mitten aus dem Schlaf gerissen wurde, jammert und nervt einwenig - sie scheint keine Flughäfen zu mögen, denke ich mir. Die nächsten fünf Stunden hat sie Zeit genug, den Flughafen lieb zu gewinnen, denn der Navigationscomputer des Airbus ist defekt. Wieso brauchen die das Ding den überhaut, nach Mallorca sollte der Pilot doch auch alleine finden, oder?
Also, der Computer ist scheinbar nicht nur defekt, er scheint vollkommen hinüber zu sein, jetzt sollen wir ein anderes Flugzeug bekommen ... Wie die andere Maschine macht auch Probleme und die können wir deshalb nicht bekommen? Wie nun? Ah so, jetzt bauen die den funktionierenden Navigationscomputer des kaputten Fliegers in unser ganzes Flugzeug mit dem defekten Navigationsteil - das müsste gehen meint das Bodenpersonal, welches jetzt auch endlich geschafft hat, die Kaffeemaschine in Gang zu setzten. Hat ja lange genug gedauert! Wie, die Kaffeemaschine hatte ne kurzzeitige Funktionsstörung, na dann ... kann passieren denke ich mir und etliche Minuten später sitze ich zufrieden im Airbus!
Also, das manche Klimaanlagen beim Start eines Flugzeuges furchtbare Geräusche von sich geben war mir bis dato auch unbekannt. Wie gut das ich nicht unter Flugangst leide. Ich habe ein gesundes Zutrauen an deutsche Technik - zumindest noch gestern.
2. Akt - die Ankunft
Uiuiui geschafft, alle Koffer da und auch nicht aufgegangen. Also, das Verhältnis von der Kleinen und Flughäfen ist immer noch nicht besser geworden, vielleicht liegt es aber auch nur an der stickig warmen Luft hier in Palma. Ob die hier keine Klimaanlage haben oder ist die etwa defekt? Egal nix wie raus hier; es muß nur noch schnell der Typ von der Autovermietung gefunden werden. Der soll hier im Flughafen irgendwo herumlungern und wäre mit seinem gelben Hemd nicht zu verfehlen. Nach anderthalb Stunden und mehreren Nachfragen an das unwissende spanische Bodenpersonal - welches aber zumindest mitleidend auf unsere schreiende Tochter blickt - kommt der Kerl von seiner Mittagspause zurück. Oh, so spät ist schon, sollten wir nicht eigentlich um 8:30 hier ankommen? Na egal, schnell hin zu Mr. Gelbhemd, der mittlerweile schon von etlichen anderen Urlaubern umringt ist.
Also, so eine Mietwagenreservierung vom weit entfernten kalten Deutschland hat auch so seine Vorteile, man braucht nur mit seinen Gutschein (vor dem richten Gesicht) zu wedeln und schon wird man in ein Minibus mit vielen anderen Urlaubern gepfercht und ab geht es - bei 30° - zur nahegelegenen Autovermietung. Von Klimaanlagen in Autos haben die hier auch noch nix gehört - na wenigsten kommt etwas Fahrtwind rein, schade nur, daß sich die Fenster hier hinten im Bus nicht öffnen lassen. Den Stau auf der Autobahn überstehen wir auch noch, schließlich sind wir im warmen Mallorca und nicht mehr im kalten Deutschland.
Meine Stimmung nähert sich zum erstem mal der meiner Kleinen, nämlich als der - irgendwie blöd grinsende - Mitarbeiter der lokalen Autovermietung in gebrochenem Englisch erklärt, daß sie leider überbucht sind und momentan keine Autos zur Verfügung haben, und daß wir den Nachmittag hier wohl noch verbringen müssten. Bei mittlerweile sicherlich 35° und immernoch keiner Klimaanlage wünscht man sich wenigstens ein bisschen ins kalte Deutschland zurück. Irgendwie ärgerlich, daß der Mietwagen schon bezahlt ist.
Ja! Endlich, der Mietwagen ist da, wenn auch ohne die bestellte und bezahlte Klimaanlage, aber immerhin lies man uns die Wahl diesen zu nehmen oder am nächsten Tag wiederzukommen und einen mit Klimateil zu erhalten. Wir entschieden uns dann für den Wagen sofort und einen nicht gerade freundlichen Beschwerdebrief an die deutsche Autovermietungsagentur. Na wenigstens hat die Karre ein Radio, schade nur das die Antenne abgebrochen ist und man so in den meisten Teilen Mallorcas nur Rauschen empfängt. Den bestellten Kindersitz, der eigentlich ein viel zu kleiner Babysitz ist und so nicht gerade die Laune, der darin eingezwängten Kleinen aufbessert, bekommen wir dann erstaunlicherweise gratis. Wow! insgesamt 30 DM gespart. Toll, da haben wir ja so richtig Glück gehabt, zumal wir es gerade noch schaffen rechtzeitig zum Abendessen im Hotel im Südosten von Mallorca zu erscheinen.
3. Akt - der Urlaub
Ui, so groß haben wir uns unsere Apartmentanlage wirklich nicht vorgestellt. Der im Online-Katalog versprochene Meerblick wurde durch den 3. Stock realisiert. Wenn man Glück hatte, so konnte das Wasser in weiter Ferne durch Bäume und einige Reklametafeln gesehen werden. Der kürzeste Weg zum nahen Strand ging quer durch die - laut TUI - familienfreundliche Apartmentanlage. Es war wirklich nicht weit bis zum Meer, zumindest für denjenigen von uns, der nicht den Kinderwagen die vielen Treppen hinunter zum Strand tragen durfte.
Neben fleißigem Buddeln im Sand haben wir natürlich auch einige tolle Ausflüge unternommen. Den schönsten und interessantesten möchte ich hier nun kurz beschreiben. Er sollte mit einer unvergessenen Besichtigung eines alten Herrensitzes im Osten Mallorcas beginnen, danach stand der Besuch eines, auf einem Berg gelegenen Klosters mit wunderbarer Aussicht auf dem Programm. Zum Abschluß wollten wir dann in einen exotischen Garten, mit vielen Tieren und Papageienshow - für unsere Kleine sicherlich ein tolles Erlebnis.
Es ging zeitig raus, die Kleine hatte keinen Hunger und so waren wir schon am frühen Morgen unterwegs. An diesem Tag hätte ich mir die Klimaanlage im Auto besonders gewünscht, es war schwül und die Luft stickig. Außerdem ging es mir vom Magen her nicht so gut aber wenigstens war unser Monster friedlich. Verdächtig friedlich. Den Grund erfuhren wir auf dem wirklich sehr interessanten historischen Landsitz. Nicht nur ich hatte mir den Magen verdorben, sondern auch die Kleine. Na wenigstens hatte sie nicht gefrühstückt, so daß die Flecken auf den schönen Teppichen im Herrenhaus durch ihr "Spucken" nicht allzu schlimm aussahen. Ok ... wir hatten ein Einsehen mit unserer Kleinen und den folgenden auf dem Boden liegenden Fusseldingern und haben uns das Landgut von außen angesehen. Auch ganz nett und wenigstens ohne Führer, der uns bei jedem Geräusch von der Kleinen strafend anschaut. Die Besichtigung war zwar schnell zuende, aber so hatten wir mehr Zeit für das folgende Programm.
Die Fahrt zum Kloster war langweilig, im Babysitz wurde friedlich mit dem Teddy gespielt und neben mir versuchte jemand verzweifelt die Kleidung von unschönen Flecken zu befreien. Die Aussicht beim Bergkloster war fantastisch. Na ja zugegeben, sie hätte fantastisch sein können, doch leider zogen von Süden her dichte graue Wolken auf und so war die Sicht nicht besonders gut, aber immerhin versprach das Kloster interessant zu werden. Die Kleine spielt wohl immer noch mit ihrem Teddy, dachte ich. Falsch gedacht. Sie war eingeschlafen. Nun ja so ne Magengeschichte ist ja auch ermüdend. So friedlich wie unser krankes Mäuschen da schlief brachten wir es nicht übers Herz sie in den Kinderwagen zu setzen und die Treppen zum Kloster hinauf zu tragen. Aber was soll's das Kloster sah auch von außen ganz nett aus.
Also, ging der Ausflug weiter in Richtung Exotic Park. Wir hatten Glück, die Kleine wachte schon eine halbe Stunde nach Erreichen des Parks auf; wir warteten nämlich vor dem Eingang auf dem Parkplatz, denn wenigstens etwas wollten wir uns heute von innen anschauen. Ihr ging es auch scheinbar etwas besser, der Schlaf tat ihr gut und so gingen wir alle gut gelaunt über steinige Wege zum Eingang. Das Monster hatte richtig Spaß, sie hob jeden Stein auf und war bester Laune. Die wollten wir ihr auch nicht verderben, schließlich war sie ja krank und so brauchten wir eine Ewigkeit bis zu Kasse. Äh, diese haben wir genauer gesagt nicht erreicht, denn kurz vor dem Eingang fing es heftig an zu regnen. Also zurück zum Auto. Die kleine war nicht gerade erfreut wieder im Babysitz eingezwängt zu werden, so daß sie sich richtig aufregte was wiederum ihren Magen aufregte. Nun ja durch den Regen konnten wir wieder alles einigermaßen saubermachen. Das Wetter wurde leider immer schlechter und so schauten wir uns noch die großen Reklametafeln vor dem Park an, denn die haben jemandem im Babysitz gefallen und fuhren zurück ins Hotel.
Der aufregende Ausflug tat meinem, wohl auch angegriffenen Magen nicht besonders gut, so daß ich mir zum Abschluß dieses unvergesslichen Tages das Abendessen im Restaurant auch von draußen angeschaut habe.
Hier endet zwar nicht der Urlaub aber dafür diese Geschichte, denn es ist schon spät und ich muß mich schließlich von dem anstrengenden Urlaub erholen ;-)